Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung der Wissenschaftlichen Einrichtung und der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg finden in der Regel in folgenden Bereichen statt:

  • Entwicklung und Erprobung von Kurskonzepten und/oder Unterrichtsmaterialien

  • Entwicklung, Erprobung, Implementation und Evaluation von Curricula

  • Forschungen und Entwicklungen zu (neuen) Konzepten und Verfahren der
    Didaktik, Methodik, Unterrichtsorganisation

  • Untersuchungen zu Sozialisationsprozessen und -wirkungen

  • Untersuchungen zu Ergebnissen schulischer Lernprozesse bei Kollegiatinnen und Kollegiaten

  • Arbeiten zu Funktionen und Wirkungen der Schule als Institution

Forschungs- und Entwicklungsprojekte orientieren sich methodisch an drei Typen der Bildungsforschung: Praxisforschung, Evaluation und Grundlagenforschung. Ergänzt werden diese drei Forschungstypen durch den eher auf Entwicklung ausgerichteten Schwerpunkt Transfer. In den Forschungs- und Entwicklungsprojekten kooperieren Lehrende des Oberstufen-Kollegs mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der wissenschaftlichen Einrichtung. Gemeinsam werden Untersuchungsfragen entwickelt, qualitative und/oder quantitative Methoden ausgewählt, Daten erhoben, ausgewertet und interpretiert.

In der Praxisforschung arbeitet das Oberstufen-Kolleg seit fünfunddreißig Jahren an der Schnittstelle zwischen Wissenschafts- und Praxissystem. Sinn und Nutzen einer systematischen Selbstreflexion im Rahmen dieses Forschungstyps ist es, eigenes und fremdes Handeln zu überprüfen und ggf. zu verändern sowie unter den Leitfragen „What works?“ oder „Wie mache ich es besser?“ neue Orientierungen und Entwicklungen einzuleiten. Die Praxisforschung am Oberstufen-Kolleg ist – wie andere Formen von Praxisforschung auch – dadurch gekennzeichnet, dass die Lehrenden Aspekte ihres eigenen Unterrichts untersuchen. Auch bei diesem Forschungstyp arbeiten sie jedoch in der Regel mit MitarbeiterInnen der Wissenschaftlichen Einrichtung zusammen, so dass neben dem eigenen Blick auf die Praxis der fremde Blick steht. Ein weiteres Kennzeichen ist die enge Verbindung zwischen beruflichem Handeln und Reflexion, sie steht dabei im Dienste der Schulentwicklung und des Transfers von Erfahrungen und Erkenntnissen in andere Schulen.

Evaluation ist im Wesentlichen eine systematische Erhebung, Analyse und Bewertung von Informationen über schulische Arbeit. Die am Oberstufen-Kolleg zurzeit am häufigsten umgesetzt Form ist die formative oder prozessbegleitende Evaluation. Die Fragestellungen sind auf institutionelle Interessen bezogen. Sie zielen zumeist auf die Überprüfung pädagogischer Konzepte und stellen die Basis für die Initiierung von Verbesserungsprozessen dar. Durch Evaluation wird ein zweckgerichteter Transfer von Wissen aber auch eine Rechenschaftslegung über die pädagogische Praxis am Oberstufen-Kolleg angestrebt.

Bei der Grundlagenforschung steht das „wissenschaftlich Neue“ im Vordergrund der Erkenntnisgewinnung. Projekte zur erziehungswissenschaftlichen Grundlagenforschung wurden zunächst im Oberstufen-Kolleg eher randständig durchgeführt, da die Interessen primär auf pädagogische Entwicklungen und die Ausgestaltung der übrigen Forschungstypen gerichtet waren. Dies hat sich in den letzten Jahren durch den Versuch zur Kombination von Forschungstypen verändert. So wurde beispielsweise mit einem Projekt zur Klassenwiederholung bzw. Rückstufung in der Oberstufe neue Erkenntnisse zu diesem Themengebiet gewonnen und die vorliegende Forschung zur Sekundarstufe I erweitert.

Die Verknüpfung von Forschungstypen, die in zahlreichen Projekten des aktuellen Forschungs- und Entwicklungsplans (FEP 2014/2016) praktiziert wird, ist der anspruchsvolle Versuch, Fragen von Forschung und Entwicklung in einem schulischen Feld reflexiv und konstruktiv zu bearbeiten. Dabei werden praxisrelevante Fragen zu Forschungsfragen weiterentwickelt und Ergebnisse der Forschung auf die Praxis rückbezogen. Der Wechsel der Rollen und die Akzeptanz je unterschiedlicher Expertise in professionsbezogenen und disziplinären Fragen schafft eine einzigartige Laborsituation, die den forschenden Blick der schulischen sowie der hochschulischen Akteure schärft. Damit werden die Handlungsmöglichkeiten der Lehrerinnen und Lehrer erweitert. Die Verknüpfung von Forschungstypen am Oberstufen-Kolleg ist zugleich der Versuch, forschungsmethodische Differenzen zu überbrücken und gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern verschiedene sozialwissenschaftliche Methoden und Theorien im Forschungsfeld Schule zu erproben.

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